21.August 2025. Zurück in Ulan Bator. Vom Flughafen mit dem Taxi zu Fortec, wo das Wohnmobil steht. Nach einer kleinen Inspektion in der Werkstatt, Aufbruch zu einer ca. 9500 km langen Reise zurück ins Emsland.
Doch 5 km später, nach einem Einkauf, springt der Motor nicht an. Ein neuer Anlasser ist notwendig und der muss aus Deutschland kommen. Eigentlich ist der ADAC ein verläßlicher Ansprechpartner für solche Probleme aber nach zwei Tagen mit vielen Telefonaten hin und her komme ich zur Einsicht, dass in diesem Fall der ADAC wenig Lust auf Hilfestellung hat.
Also selbst aktiv werden. Schließlich gibt es ja noch den immer hilfsbereiten Schwager Paul. Er schafft es mit Geduld und Elan, innerhalb von 24 Stunden einen Anlasser zu besorgen und ihn bei DHL aufzugeben, was wiederum gar nicht so einfach ist, da mehrere Filialen in der Nähe nicht in der Lage sind einen Strichcode zu verarbeiten. Doch schließlich findet er 100km weiter eine DHL-Express-Station, die das Problem löst.
   Abschied vom Werkstattbesitzer und Ehefrau
    Reifenpanne nach 200km. In der nächsten Stadt gibt es einen Reifendienst, einen "Ein-Mann-Betrieb" mit spärlicher Ausstattung. Dieser stellt fest, dass der Schaden zu groß für eine Reparatur ist. Eine passande Reifengröße aber gibt es in der Mongolei nicht. Muss ich nun ohne Ersatzreifen die Reise fortsetzen? Undenkbar. Der Mann ist aber äußerst hilfsbereit. Bis Sonnenuntergang sehe ich ihn ständig telefonieren, um mir irgendwie zu helfen. Andere Kunden bittet er, am nächdten Tag wieder zu kommen. Es ist mir schon fast unangenehm wie er sich bemüht. Am nächsten Morgen erscheint er spät - aber mit einer guten Botschaft! Er habe einen Reifen gefunden, der passen könnte. 3 Stunden später wird er per Taxi angeliefert!
Für seinen Einsatz verlangt er einen unfassbar niedrigen Preis - für mich inakzeptabel. Natürlich möchte ich ihn angemessen bezahlen. Bescheiden winkt er ab. Gut, dass seine Tochter ihn zum Mittagessen ruft. Ihr gebe ich einen Umschlag, den sie bitte ihrem Vater übergeben möge.
   Bis zur mongolisch/russischen Grenze ist es nicht mehr weit. Der Grenzübergang ist innerhalb von 5 Stunden erledigt. Übernachtung in der russischen Grenzstadt Kjachta. Vergeblich versuche ich eine russische SIM-Karte fürs Smartphone zu bekommen.
Ohne Übersetzungstool wird`s schwer. Orientierungslos, ohne Navigation auf dem Smartphone, ohne Karte, aber in dem Wissen, dass es zunächst gen Norden gehen muss, setze ich die Fahrt fort. Glücklicherweise scheint die Sonne, die mir ungefähr die Richtung anzeigt. Auch wenn es nicht allzu viele Abzweigungen gibt, Irrwege werden gduldig abgearbeitet. Als dann irgendwann ein Schild mit dem Hinweis "Ulan Ude" auftaucht, bin ich erleichtert.
   Angekommen in der Stadt Ulan-Ude, östlich des Baikalsees gelegen, erfahre ich, dass Ausländer nur eine SIM-Karte erwerben können, wenn eine russische Person, ein Bekannter, ein Freund, als Bürge auftritt. Hoffnungsvoll begebe ich mich in Ulan-Ude unter die Menschen, auf Suche nach einem "Freund". Das erweist sich aber als schwierig. Der erste hat keine Zeit für mich zu bürgen, der zweite keine Lust, der dritte lächelt nur freundlich, der vierte gibt mir deutlich zu versehen, dass er nicht mein Freund sein will... Ich gebe auf und erinnere mich, dass es doch eine e-SIM gibt. Aber wie bekomme ich eine eSIM? Kartenzahlung ist in Russland wegen der Sanktionen nicht möglich!
Mit Hilfe meines Neffen Miro, der sich gerade in Rumänien in der Hängematte ausruht, gelingt es, eine eSIM auf mein Handy zu bekommen. Wieder ein Problem gelöst!
   Der Baikalsee ist der tiefste See der Welt, mehr als 600km lang, 80 km breit, bis zu 1600 Meter tief. Mit 23 km³ Süßwasser besitzt er etwa 20% aller Weltvorräte. Das Wasservolumen im Baikalsee entspricht etwa dem der 5 Großen Seen vom Nordamerika zusammen.
   Etwa so groß wie Belgien ist der Baikalsee, im Winter mit einer 1 Meter dicken Eisschicht bedeckt.
   
    Dorf am südlichen Ufer des Baikalsees
   Dorf in der Nähe von Krasnojarsk.
Kurzes Video. ( Mausklick auf das Foto )
   Weiter über Nowosibirsk....
   ... und Omsk. Im Gebiet rund um Omsk trifft man auch heute noch&xnbsp;sog. Russlanddeutsche. Sie waren in den Kriegsjahren aus der Wolgaregion u.a. in diese Region oder in das weiter südlich gelegene Kasachstan umgesiedelt worden. Vor mehr als 30 Jahren - nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion- sind viele nach Deutschland ausgewandert
   Überquerung der Wolga südlich von Kasan.
    Weitere Fotos fehlen, da mir 10 Tage, am letzten Tag der Asienreise, ausgerechnet in Berlin, das Smartphone gestohlen wird...
   

Die Reise geht weiter über Moskau, und Belarus mit der Hauptstadt Minsk. Da die Grenze nach Polen kurzfristig gesperrt wird, muss ich Belarus an der Grenze zu Litauen verlassen, was in einen unangenehmen, längeren Aufenthalt mündet. Mißverständnisse und Sprachprobleme (trotz Übersetzungstool) führen dazu, dass ich eine Nacht in einer Gefängniszelle verbringen muss. Zwei junge Frauen aus Litauen, die etwas Deutsch und Russisch sprechen, "befreien" mich aus dieser mißlichen Situation. Bis heute ist mir nicht ganz klar, warum man mich festgesetzt hat.


   

Fazit der Südostasien Reise.

Kurz zusammengefasst, was in Erinnerung bleibt.
Türkei:
Brücke zwischen Europa und Asien, historische Städte, Anatolien und Kurdistan, vielfältige Küche.

Iran:
Politik ausgeklammert bietet das Land prächtige Moscheen, Basare, jahrtausendalte Geschichte, Wüsten und Gebirge und herzliche, hilfsbereite Menschen.

Indien:
Extreme Gegensätze, Armut, Lärm, wuselige Städte, Verkehrswirrwar, Tempel und gutmütige Menschen

Pakistan:
Entlang der afghanischen Grenze Terrorgefahr wegen Unabhängigkeitsbestrebungen von Belutschistan. Reisende werden besonders geschützt. Fruchtbare Ebene am Indusfluss. Sehr gut ausgebaute Autobahn Richtung Lahore, Eindrucksvolles Landleben mit interessanten Begegnungen.

Nepal:
Himalaya-Kulisse, spirituelle Atmosphäre, kleine und große Gebetstempel, einfache Lebensweise, Reisen mit Wohnmobil nicht empfehlenswert.

Tibet (auton. Region):
Extreme Höhenlage, weite Landschaften, Serpentinen auf 5000m Höhe, überwältigender Blick auf den Mt. Everest, einzigartige buddhistische Kultur, Dalai Lama, Lhasa.

Laos:
Viel Natur, Dschungel, entschleunigtes Leben, buddhistische Gelassenheit, der Mekong, zurückhaltend freundliche Menschen. Thailand:
Gute Straßen und Infrastruktur, großartige Tempelbauten, Strände, warmherzige, zugewandt freundliche Menschen, Mischung aus Komfort und Exotik. Bangkok, Pattaya, Phuket, Chiang Mai, Chiang Rai.

Kambodscha:
Schwere Vergangenheit mit Terror unter Pol Pot, Hauptstadt Phnom Pen am Mekong, Riesige Tempelanlage Angkor Wat als kultureller Höhepunkt.

Vietnam:
Aufstrebendes Land, Lebensenergie, abwechslungsreiche Landschaften, Reisfelder, Erinnerung an den Vietnamkrieg vor 50-60Jahren, Strände, vietnamesische Küche, Hanoi, Ho Chi Minh (Saigon), die Halong Bucht.

Philippinen:
Traumhafte Inselwelt, Segeltour von einer Insel zur anderen, Strände, offene und herzliche Menschen, starker spanischer und amerikanischer Einfluss spürbar, Armut und Reichtum, Hauptstadt Manila.

China:
Zum großen Teil gebirgig aber auch weite, wüstenähnliche Landschaften, moderne Infrastruktur einerseits und jahrtausendalte Kultur andererseits. Buddhismus, Xi-An mit der Terrakotta-Armee, der Gelbe Fluss, Bambuswälder mit Pandabären, Peking, chinesische Mauer.

Mongolei:
Stille und Natur, etreme Weite, Steppenlandschaft, Wüste, Jurten, Nomadenleben, moderne Hauptstadt Ulan Bator. Besonders auf dem Lande sehr freundliche, hilfsbereite Menschen.

Russland (Sibirien):
Baikalsee, Irkutsk, Nowosibirsk, Omsk, abgelegene Dörfer, Birken- und Nadelbaumwälder, endlose Weite.




Man hatte mich vor Beginn der Reise gewarnt: Unsichere Länder, miserable Straßen,fremde Kulturen, Sprachbarrieren, unberechenbare Situationen, Klima, Krankheiten, Unfälle, Reparaturen. Einiges davon hat sich bewahrheitet, einiges nicht.

Es ist eine besondere Art, mit dem Wohnmobil und auf eigene Faust solch eine Reise zu unternehmen. Das Reisen im Wohnmobil ermöglicht einem, die Route spontan anzupassen, man ist nicht an Bus-oder Zugverbindungen gebunden, bestimmt seinen Rhythmus selbst. Man reist relativ komfortabel, fernab von normalen touristischen Pfaden und besucht Orte, die für viele Pauschaltouristen unerreichbar sind.

Asien beeindruckt durch eine abwechslungsreiche Natur, üppige Reisfelder, spektakuläre Küstenabschnitte, unterschiedliche Kulturen.

In Ländern, die oft als schwierig oder gefährlich beschrieben werden, erlebte ich eine Offenheit, die mich überrascht hat. Menschen luden mich ein, fragten nach meinem Weg, meinem Leben in Deutschland, ich spürte echtes Interesse. Solche Begegnungen haben mein Bild vom Nahen Osten und Südostasien nachhaltig geprägt.
Der morgendliche Blick auf die Reisfelder, das einfache Leben auf dem Lande - all dieses ließ mich begreifen, wie wenig man braucht um zufrieden zu sein. Hinter jeder Grenze warteten neue Eindrücke und Menschen, die mir mit Herzlichkeit begegnet sind. Die Reise hat meinen Blick auf Menschen und Kulturen verändert. Besonders hervorheben möchte ich Joe, der als Reiseführer mich auf der Fahrt durch China 4 Wochen begleitet hat und mit dem ich unzählige, offene, tiefgehende Gespräche und Diskussionen geführt habe.

Natürlich gab es auch schwierige Momente. Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Reise, technische Probleme, Herausforderungen bezüglich katastrophal schlechter Wege und Straßen, Reparaturen. Gelernt habe ich, dass die Überwindung von solchen problematischen Situationen das Selbsvertrauen und das Vertrauen in andere Menschen fördert.

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